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Junge Lesung: Roger Schmelzer
Der Abend des 19. April 2010 stand an der FOS / BOS Coburg ganz im Zeichen der Kultur, genauer gesagt im Zeichen der Literatur. Im Rahmen der Literaturtage „Coburg liest“ fand die Junge Lesung in der Aula der Fachoberschule statt. Es ist Tradition der Jungen Lesung, dass eine Schulklasse die Gestaltung der Veranstaltung übernimmt. In diesem Jahr war dies die Klasse 13SW der Fachoberschule Coburg unter Leitung deren Deutschlehrers StR Jens Aumüller. Im Mittelpunkt dieses Abends stand Schmelzers Debütroman „Die besten 10 Sekunden meines Lebens“.
Nach einer kurzen Begrüßung durch OStD Anton Staudigl richtete auch der zweite Bürgermeister und Kulturreferent der Stadt Coburg, Norbert Tessmer, einige Grußworte an die Besucher der Veranstaltung. Tessmer schilderte, dass er persönlich einige Gemeinsamkeiten mit dem Protagonisten des Werkes habe, da er selbst auch Erfahrungen mit den Demonstrationen gegen die seinerzeit geplante Wiederaufbereitungsanlage im oberpfälzischen Wackersdorf gesammelt habe. Entgegengesetzt zum Hauptdarsteller des Romans war Tessmer jedoch nicht als Demonstrant, sondern vielmehr „auf der anderen Seite“, nämlich in leitender Funktion als Mitglied des Bundesgrenzschutzes (BGS) im Einsatz. Deutlich kam zum Ausdruck, dass es für so manchen damals eingesetzten Polizisten einen durchaus großen inneren Konflikt bedeuten konnte, wenn man gegen die Demonstranten vorgehen musste.
Im Anschluss daran las Schmelzer zunächst einige Passagen des ersten Teils seines Debütromans vor, die sich mit der Jugend des übergewichtigen und unglücklichen Protagonisten Chris beschäftigen. Für einige Erheiterung sorgte die Passage, in der geschildert wurde, wie Chris aus nicht erwiderter Liebe zu einem jungen Mädchen zur katholischen Landjugendbewegung kam. Schmelzer verwies dabei immer wieder auf einige Parallelen, die sich aus Chris und seinem Leben ergeben. So ist z.B. die Schilderung des nicht bestandenen Abiturs durchaus autobiografisch. Einige der anwesenden Jugendlichen nahmen durchaus dankbar die Anmerkung Schmelzers auf, dass ein Abiturschnitt von 3,4 nicht zwangsläufig dazu führen müsse, dass man keine beruflichen Erfolge feiern könne. Bei der Ausführung der Erlebnisse Chris, die er bei den Demonstrationen gegen die in den 80er Jahren geplante Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf schilderte, wies Schmelzer darauf hin, dass diese nicht von ihm selbst gesammelt wurden, jedoch von aktiv teilnehmenden Demonstranten so bestätigt wurden. Alles in allem bereiteten die ausgewählten Textpassagen den Zuhörern einen äußerst kurzweiligen und amüsanten Abend, da diese gespickt waren von Humor und Komik.
Im Anschluss an die Lesung stellte sich Roger Schmelzer den Fragen der Zuhörer. Auf die Frage, welche Form der Arbeit Schmelzer besser gefalle – die des Literaten oder die des Drehbuch- und Sitcom-Autors, kam die sehr prompte Antwort, dass das Schreiben eines Buches ihm zwar besser gefalle, aber leider ein schlechter bezahlter Job wäre. Allerdings wisse er es durchaus zu schätzen, dass er sich hier deutlich stärker selbst einbringen könne, als dies in seiner Funktion als Sitcom-Schreiber der Fall sei. Auch beschäftigte die Zuhörerschaft die Frage, inwiefern es tatsächlich die „besten 10 Sekunden“ im Leben des Protagonisten Chris wären, welche jedoch auch nach Ablauf des Abends offen blieb. Der Titel des Romans wurde aus mehreren Vorschlägen ausgewählt und stammt vom Autor selbst. Auf die Frage, was Schmelzer sich persönlich von seinem Werk erhoffe, erwiderte er schmunzelnd, dass er darauf gehofft habe, dass er vom Verlag die Nachricht bekomme, dass „Die besten 10 Sekunden meines Lebens“ „das absolut hammergeilste Buch ist, das mir in den letzten 20 Jahren untergekommen ist“ und auch nach einem Jahr noch immer in der Top 10 der Spiegel-Bestsellerliste zu finden sei.
Da für die Schülerinnen und Schüler die 80er Jahre, in denen die Erzählungen von Chris Jugend stattfanden, bereits Geschichte sind, wurden von den SchülerInnen der 13. Klasse einige Informationen zur damaligen Zeit in Form von Stellwänden präsentiert. Auch die in der Pause angebotenen Pizzen zeugten von einer durchaus treffenden Wahl, da diese zum einen den Geschmack der Gäste sehr gut trafen und zum anderen in Anlehnung an Chris ausgewählt wurden, der sein Übergewicht nicht zuletzt dem zu häufigen Pizza-Konsum zu verdanken hatte.
Sicherlich kann dieser Abend zu Recht als wirkliches kulturelles Highlight dieses Schuljahres bezeichnet werden! Unser Dank geht an die Klasse 13SW und Herrn StR Aumüller, die für einen reibungslosen und perfekten Ablauf gesorgt haben und selbstverständlich v.a. auch an Roger Schmelzer, der den Zuhörern einen äußerst vergnüglichen und kurzweiligen Abend bereitete!
StRin Andrea Iglhaut
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