Sein oder nicht sein…
…das war am Samstag, den 06.02.2010, an der FOS/BOS Coburg die Frage. Die Theatergruppe unter der Leitung von Marina Krauß und Kerstin Wachter, die das Schauspiel aus dem englischen Original in Form einer Mediation ins Deutsche übertragen hat, führte eine moderne Inszenierung der Shakespeare Tragödie „Hamlet“ auf.
Im ersten Akt trauert der junge Hamlet (Valentin Stingl, 11Sc) um seinen verstorbenen Vater. Obwohl dieser erst vor zwei Monaten zu Tode gekommen ist, heiratet seine Mutter Gertrud bereits Hamlets Onkel Claudius (Matthias Blaue, 13 SW). Hamlet ist hin und her gerissen zwischen der Trauer um seinen Vater und der Enttäuschung über das Verhalten der Mutter. Doch auch diese steht in einem Gewissenskonflikt. Einerseits liebt sie ihren Sohn und versteht dessen Trauer, andererseits ist sie froh darüber, mit dem Tod von Hamlets Vater abgeschlossen zu haben und eine neue Ehe mit Claudius eingegangen zu sein. Um dieser Zerrissenheit gerecht zu werden, wurde die Rolle der Mutter in der Inszenierung an der Fachoberschule mit drei Schülerinnen besetzt (Zeynep Özcan, 12Sb, Liane van Caster, B-12SW, Monika Sadlowski, 13SW), die jeweils die gegensätzlichen Gedankengänge der Mutter und der nach außen beherrscht wirkenden Königin aufgriffen. Als Hamlet mit seinem Freund Horatio (Patrick Schilling, 11Tb) einen Joint raucht, erscheint ihm der Geist seines Vaters (Eugen Mut, 12Wc), der ihm erzählt, dass sein eigener Bruder Claudius ihn ermordet habe. Hamlet weiß nicht, wie er diese Erscheinung deuten soll. Er beschließt, nur seinem Freund Horatio davon zu erzählen und will sich im Folgenden wahnsinnig stellen, um zu sehen wie die anderen darauf reagieren.
Hamlet will hierbei auch seine Liebe zu Ophelia (Buket Daghan, 12Sc), der Tochter des Hofmarschalls, opfern, um seinen Zustand glaubhafter wirken zu lassen und um Claudius in Sicherheit zu wiegen. Polonius, Ophelias Vater (Alex Lobanov, 12Wb), möchte die Königin davon überzeugen, dass Hamlets seltsames Verhalten auf die Liebe zu seiner Tochter zurückzuführen ist. Er zeigt ihr eine SMS, die Hamlet an Ophelia geschickt hat und in der er Ophelia seine Liebe gesteht.
Doch Hamlet bleibt in der Rolle des Wahnsinnigen. Als eine Theatergruppe an den Hof kommt, fasst er einen Plan, um seinen Onkel zu entlarven. Er möchte, dass die Gruppe eine zusätzliche Szene einbaut, in der der Tod an seinem Vater nachgespielt wird. Er erhofft sich, dass er am Verhalten seines Onkels erkennen kann, ob dieser wirklich seinen Bruder getötet hat. Hamlet ist wieder einmal hin und her gerissen. Er weiß nicht, wie er die Geisterscheinung deuten und er ob er seinen Onkel wirklich töten soll. Auch diese Szene, in der Hamlet eigentlich im Monolog mit seinen Ängsten kämpft, wurde von der Theatergruppe der FOS/BOS Coburg eindrucksvoll umgesetzt. Hamlet steht klein und ängstlich in mitten von weißen Gestalten. Diese treten als sein Gewissen immer näher und bedrohlicher auf ihn zu und schreien ihm „Versager!“ und „Du musst ihn rächen!“ zu, bis sie ihn schließlich ganz überwältigt haben und Hamlet mit Selbstmordgedanken spielt.
Claudius lässt sich von der Inszenierung des Theaterstücks provozieren. Hamlet entdeckt ihn bei seiner Beichte in einem einsamen Gebet. Er will ihn töten, widersteht jedoch nach kurzem Überlegen dem Impuls und stellt stattdessen seine Mutter zur Rede. Es kommt zu einem Streit zwischen Mutter und Sohn. Hamlet beschuldigt seine Mutter auch Schuld am Tod seines Vaters zu haben. Als Hamlet bemerkt, dass sie heimlich beobachtet werden, tötet er den Hofmarschall, den er für Claudius hält.
Claudius ist außer sich, als er davon erfährt und möchte Hamlet nach England schicken. Leartes (Julia König, 12 Sb), der Sohn des Hofmarschalls, erfährt von dessen Tod und möchte sich ebenfalls an Hamlet rächen. Laertes und Claudius beschließen, Hamlet bei einem Unfall ums Leben kommen zu lassen. Dies misslingt ihnen aber und so fordert Laertes Hamlet zu einem Fechtwettkampf auf, bei dem Hamlet durch einen vergifteten Degen umkommen soll. Ophelia, die aus Kummer wahnsinnig geworden ist, begeht Selbstmord. In der Inszenierung der Schüler wird dies durch menschliche Schlingpflanzen dargestellt, die ihr immer wieder ins Gewissen rufen: „Du bist naiv!“, „Hamlet hat deinen Vater getötet!“, „Hat er dich je geliebt!?“ und „Er ist wahnsinnig!“ Ophelia wird schließlich von diesen Gedanken so in Besitz genommen, dass sie keinen Ausweg mehr findet und stirbt.
Hamlet weiß zunächst nichts von ihrem Tod. Er trifft auf dem Friedhof zwei Totengräber (Faik Menekse, 12Wb, Torre-Lance Brückner, 12Wc), die gerade ein Grab ausheben. Mit ihnen liefert er sich ein humoristisches Wortgeplänkel- wie es Shakespeare gerade in seinen Tragödien zur Kontrastierung nutzt- bis er sieht, dass eine Trauergemeinde naht. Hamlet geht davon aus, dass der Hofmarschall beerdigt wird. Erst als Laertes einen Streit mit ihm beginnt, merkt er, dass seine geliebte Ophelia beigesetzt wird. Er nimmt die von Claudius und Laertes schon längst geplante Aufforderung zum Duell an.
Schließlich steht die Reporterin (Theresa Köhlerschmidt, 11Sa), die von Anfang an die Ereignisse am dänischen Königshaus in der modernen Gestalt einer Hofberichterstatterin kommentiert hat, zwischen den Leichen und berichtet über das tödliche Duell. Nur Horatio hat überlebt. Der Rest ist Schweigen…
In dieser Inszenierung ist es der Theatergruppe der FOS/BOS Coburg gelungen, die Tragödie von Shakespeare durch eine einfache Sprache allgemein verständlich zu machen. Auch war das schlichte Bühnenbild auffällig, das stets aus einer Sitzbank und nur wenigen Requisiten bestand. Dies wurde jedoch durch passende moderne Hintergrundmusik und die lebhaften Darstellungen der Schauspieler optimal ergänzt. Anfangs- und Schlussszene waren in ihrer Darstellung identisch und setzten das Stück in einen festen Rahmen.
Julia Schott (12 Wb)
Julia Gräbner (12 Wb)