
1989 – das Jahr des Mauerfalls
Die 27 Schüler der Klasse 12Wa der Fachoberschule in Coburg beschäftigten sich die letzten Geschichtsstunden mit den Jahren von 1933 bis 1990, wobei ihr Schwerpunkt hauptsächlich die Geschehnisse des Jahres 1989 umfasste.
Zu diesem Jahr
gibt es viele historische Ereignisse, welche die deutsche Geschichte wesentlich
verändert haben, unter anderem die Öffnungen vieler Grenzen. Nach dem im Mai
die Grenze zwischen Ungarn und Österreich gefallen war, kam es am 09.
November.1989 zum Fall der Berliner Mauer zwischen der BRD und der ehemaligen
DDR. Somit wurde der „Eiserne Vorhang“ geöffnet und das Ende des Kalten Kriegs
eingeleitet.
Da die Schüler der 12Wa zu diesem Zeitpunkt noch nicht auf der Welt oder maximal fünf Jahre alt waren, konnten sie dieses wichtige Ereignis nicht miterleben. Um besser verstehen zu können, was in den Menschen damals vorging, befragten sie ihre Eltern dazu, die aus verschiedenen Sichtweisen darüber berichteten.
So gibt Ludmila, damals 25 Jahre alt und in Kasachstan wohnend an, dass sie keinen direkten Bezug zur Grenzeröffnung hatte. Sie verfolgte das Geschehen im Fernsehen und war froh, dass sich Deutschland wieder vereinigt hatte. Für Kasachstan hatte dies zur Folge, dass sich seine Bürger gegen Russland stellten, um ihre eigene Sprache (Kasachisch) durch zusetzten und somit Unabhängigkeit zu erlangen.
Aus der Sicht
einer Arbeitgeberin aus der Lebensmittelbranche, damals 22 Jahre alt, wird
berichtet, dass der Konsum von Südfrüchten, wie Orangen und Bananen, rapide zu
nahm. Anhand der Aussprache erkannte sie die Herkunft der Einkäufer, welche
ihren Heißhunger auf unbekannte Produkte durch
Masseneinkäufe
stillen wollten. Sicherlich, so gibt die Arbeitgeberin zu bedenken, haben viele
Bürger der Noch-DDR kurz vor Weihnachten große Bestellungen an „Luxusgütern“
aufgegeben, um sich den Lebensstandard der Westbürger anzugleichen. Von Seiten
des Staates wurde hierfür für jeden neuen Bundesbürger
gegen Vorlage des
Ostausweises in den Gemeinden 100 DM Begrüßungsgeld ausgegeben. Da sie
feststellten, dass der Verdienst im Westen um einige Prozent höher war als im
Osten, versuchten viele eine Anstellung im Westen zu erlangen.
Für Lothar, damals 31 Jahre, stellte der Mauerfall ein freudiges Ereignis dar, weil er nach vielen Jahren seine Familie ohne Visum wieder sehen konnte. Seit seine Oma und deren Geschwister aus dem Sudentenland vertrieben wurden, hatte sich die Familie in viele Richtungen Deutschlands verstreut und wurde durch den Mauerbau getrennt.
Georg, damals 34 Jahre, und Helga, damals 29 Jahre, erzählten, dass es ein überwältigendes Gefühl war, mit anzusehen, dass Menschen singend und hupend mit ihren Trabis, Motorrädern, Fahrrädern oder gar zu Fuß mit ihrem ganzen Hab und Gut über die Grenze kamen, um ein neues Leben in Freiheit im Westen anzufangen.
Durch viele dieser interessanten Schilderungen konnten sich die Schüler ihr eigenes Bild zu diesem Ereignis machen und werden sich sicherlich ihren nächsten Aufenthalt in den neuen Bundesländern als nicht selbstverständlich hinnehmen und sich an die beschriebenen Gefühle erinnern.
Annkatrin Schmidt, 12Wa